Bei meiner vierten Teilnahme am Koralpen Trail hat sich der Lauf – im Gegensatz zu mir – deutlich weiterentwickelt. Während ich einfach nur älter wurde, wuchs die Strecke von den ursprünglichen 55 km mit 2.400 Hm (in der Ultra-Welt eher Jugendklasse) zu einer „erwachsenen“ Distanz von 68 km und 3.100 Hm – inklusive drei ITRA-Punkten. An meiner Begeisterung ändert das nichts: Mich überzeugt nach wie vor das familiäre Flair mit vielen Freiwilligen, das Panorama, die abwechslungsreiche – aber kaum technische – Strecke mit den meisten Höhenmetern in der ersten Hälfte und nicht zuletzt die Nähe zu meinem Wohnort.
Mein Ziel war klar: Nach einer soliden Performance 2022 (inklusive ein paar Extra-Kilometern durchs Verlaufen), einem starken Lauf 2023 (geplant auf „Genuss“, am Ende aber Gesamt-5. – nur elf Minuten hinter Platz 2) und einem Debakel 2024 (falsch eingeschätzt, komplett eingebrochen), wollte ich diesmal einfach solide und gut gelaunt ins Ziel kommen.


Die Vorbereitung lief – für meine Verhältnisse – nach Plan: so standen im Juli 278 Laufkilometer und 15 Stunden am Rennrad auf der Uhr, und auch die letzten Tage vor dem Bewerb passten, was die Ernährung betrifft. Meine Taktik: bis zur Weinebene – knapp 30 km und 1.900 Hm – mit angezogener Handbremse laufen, um nicht wieder ins Vorjahres-Fiasko zu schlittern, und dann „hineinzuhören“, wie sich Beine und Körper anfühlen, um die weitere Strategie festzulegen.
Um Punkt 6.00 Uhr fiel bei angenehmen 13 Grad der Startschuss. Der erste Zehner mit rund 800 Hm lief locker, und ich reihte mich im ersten Verfolgerfeld mit vier anderen Läufern ein. Nach der ersten Labe – ich füllte nur meine zwei Softflasks – ging es alleine weiter. Auf der Weinebene (inzwischen hatte ich mich rund zwei Kilometer verlaufen; im Ziel erfuhr ich, dass viele andere unfreiwillig denselben Umweg gemacht hatten) fühlte ich mich richtig gut – nicht nur im Vergleich zum Vorjahr, sondern auch insgesamt. Für eine Temposteigerung war es mir aber noch zu früh, also nahm ich den Anstieg auf den Moschkogel (rund 250 Hm) vorsichtig.

Dort zeigte der Koralpen Trail, dass er nicht nur erwachsen, sondern auch etwas launisch geworden war: Statt Sonne und Hitze wie in den Jahren zuvor wurde es zunehmend windig, oben dichter Nebel, schließlich Regen mit Graupelschauern. Also: Jacke raus, Haube auf. Der Abstieg zu den Poms-Wasserfällen war entsprechend rutschig, und da ich technisch nicht der Stärkste bin, wurde ich vorsichtig – und prompt von zwei Läufern, darunter ein Lauffreund aus meiner Nachbarschaft, eingeholt.
Beim langen Anstieg durchs Koralm-Kar – es klarte wieder auf – hinauf zum großen Speikkogel (höchster Punkt, rund 600 Hm) war mir aber klar: Ich bin fit und habe Reserven. Also zog ich an, konnte mich absetzen und etwa zehn Minuten herauslaufen. Kurz vor der markanten Radaranlage am Gipfel übersah ich allerdings das Schutzhaus mit der dritten Labe – das hätte böse enden können, da mein Plan vorsah, am höchsten Punkt die Trinkblase und Softflasks leer zu haben, um kein unnötiges Gewicht zu schleppen. Zum Glück traf ich drei Kilometer später auf eine Wandergruppe, die mich mit Tröten anfeuerte und mir großzügig Wasser auffüllte. Iso-Pulver und Gels hatte ich ohnedies dabbei und somit wieder voll im Plan.

Der lange Abstieg nach Glashütten – wo es gut laufbar kratzte ich an einer 5er-Pace – verlief problemlos. Dort erfuhr ich, dass meine Mitstreiter jeweils etwas über zwei Kilometer vor bzw. hinter mir lagen. Ein Aufholen oder Eingeholtwerden war also kaum wahrscheinlich. So konnte ich die letzten 15 km entspannt, aber fokussiert laufen – und überquerte nach 9:19:36 Stunden als Gesamt-12. die Ziellinie.

Für Nerds:
Schuhe: Salomon S/Lab Ultra 3
Socken: X-Bionic Expert
Stöcke: Alpin Loacker Carbon
Uhr: Garmin Forerunner 965 mit Gurt HRM-Pro plus
Rucksack: USWE Pace 12
Flüssigkeit: 4,00l Peeroton Isotonic Ultra, 0,75l Wasser, 0,25l Cola
Narhung flüssig: 6 Dextro Energy Liquid Gel, 3 Peerothon Ultra Gel
Nahrung fest: 1 Banane, zwei Salzkartoffen, eine Hand voll Chips
Salz: 6 Mineralstoffkapseln SaltStick